Rheinische Entwickler-Expertise in London gefragt

Köln, 8. Februar 2010: Interview mit Franz-Xaver Corneth und Herbert Blatzheim, Geschäftsführer der RVG Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft, über das Entwicklungskonzept des Hafens.

Herr Corneth, wenn Sie über den Rheinauhafen sprechen, betonen Sie, dass er auf einem einzigartigen Konzept basiere. Was ist das Besondere daran?
Franz-Xaver Corneth: Einzigartig ist sicherlich, dass die Eigentümerin Häfen und Güterverkehr Köln AG die Erschließung des rund 250.000 qm großen Geländes komplett vorfinanziert hat. Dazu gehören die Planung und Realisierung der Tiefgarage, des Hochwasserschutzes, der Beleuchtung, der Oberflächen- und Freiraumgestaltung, der Regen- und Abwasserkanäle, die Versorgung mit Fernwärme und manches mehr. Sie können sich vorstellen, dass die HGK damit den Investoren einigen Abstimmungsaufwand erspart hat. 2006 hat sie dann die RVG Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft gegründet, die sich um die Verwaltung des Privatgeländes kümmert: Wir organisieren den Winterdienst im Hafen, sorgen für Sicherheit und Sauberkeit und legen die anfallenden Kosten anteilig auf die Eigentümer um. Wir managen also die Flächen eines ganzen Stadtviertels – das gibt es bisher kein zweites Mal.
Herbert Blatzheim: In der Praxis bedeutet dies, dass wir die Belange des Viertels gegenüber der Stadt vertreten und auf diese Weise sowohl den Eigentümern als auch der Stadtverwaltung bürokratischen Aufwand ersparen. Werden dadurch – oder durch die Nutzung von Einkaufsvorteilen – geringere Kosten fällig, geben wir diese an die Eigentümer weiter. Gleichzeitig haben die Menschen im Hafen in uns einen Ansprechpartner, der sich um alles kümmert und immer ein offenes Ohr für ihre Wünsche hat - nicht nur auf den regelmäßig stattfindenden Beiratssitzungen.
Franz-Xaver Corneth: Der Erfolg dieses Konzepts hat sich übrigens in der Branche herumgesprochen. Wir stehen sowohl mit den Entwicklern der Londoner Docklands in Kontakt als auch mit den Eigentümern einer riesigen Industriebrache im US-Bundesstaat Michigan. Beides Projekte, in die das Know-how und die Erfahrungen aus dem Rheinauhafen einfließen werden.

Der Rheinauhafen befindet sich auf Überschwemmungsgebiet. Wie haben Sie diesem Umstand bei der Erschließung Rechnung getragen?
Franz-Xaver Corneth:Indem wir zum Beispiel auf Öl und Gas zur Wärmegewinnung verzichtet haben und Fernwärme nutzen. Übrigens die energiesparendste Wärmeversorgung, die es zurzeit gibt. Außerdem haben wir im Hafen ein Pumpwerk installiert, das alle anfallenden Schmutzwässer in den Hochsammler Annostraße befördert. So verhindern wir, dass Schmutzwässer in den Rhein gelangen – und zwar bis zur hundertjährigen Hochwassermarke von 11,30 m. Das ist auch die Marke, bei der die Tiefgarage geflutet wird, um den Hochwasserscheitel abzubremsen und die Altstadt zu schützen. Natürlich verfügt der Rheinauhafen im Süden auch über ein eigenes Rückhaltebecken.

Seit 1. Januar ist das neue Rheinauhafen-Portal online. Was möchten Sie mit diesem Webauftritt erreichen?
Herbert Blatzheim: Unsere Aufgabe ist es, den neuen Stadtteil zu entwickeln.
Franz-Xaver Corneth: Dazu gehört auf der einen Seite die architektonische Entwicklung – die Bebauungspläne der letzten vier Baufelder wurden im Herbst 2009 verabschiedet – und auf der anderen Seite die Entwicklung von Wohn- und Lebensqualität, die auch von der Vitalität des Viertels geprägt wird.
Herbert Blatzheim: Deshalb ist es unser Ziel, das Leben und Arbeiten im Viertel im Internet widerzuspiegeln und Lust auf die verschiedenen Angebote zu machen – zum Beispiel aus dem gastronomischen, kulturellen oder dem Dienstleistungsbereich. Der Hafen braucht das Portal – so wie das Portal die Menschen und Unternehmen hier braucht, denn erst ihre „Geschichten“ machen es aktuell, informativ und interessant. Gelingt es uns, diese Attraktivität zu transportieren, werden noch mehr Kölner und Nicht-Kölner den Hafen besuchen und ihn auch nach achtzehn Uhr, wenn in den Büros die Lichter ausgehen, beleben. Im Gegenzug bietet die RVG mit dem Portal den Anwohnern eine Serviceleistung, die wir noch weiter ausbauen wollen: So entsteht gerade ein Verzeichnis mit Anbietern von Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, die im Hafen nicht eingekauft werden können.
Franz-Xaver Corneth: Betrachtet man die Verteilung der Flächen im Hafen, könnten die Voraussetzungen für ein lebendiges Stadtviertel kaum besser sein: 31 % der Fläche sind als Wohnfläche genutzt, 18 % von Kunst und Kultur und 51 % von Gewerbetreibenden – darunter 15 Gastronomen.

Wie finanzieren Sie dieses Portal?
Herbert Blatzheim: Wir haben mit rincón2 medien aus Köln einen Partner gewinnen können, der den Großteil der Arbeit in Vorleistung erbringt – in der Hoffnung, dass sich das Portal recht schnell über Werbeeinnahmen finanziert. Insofern kann ich an dieser Stelle nur an die Unternehmer in und um den Rheinauhafen herum appellieren, dieses Werbeangebot zu nutzen. Bleiben die Werbeeinahmen aus, werden wir das Portal in dieser Form nicht aufrecht erhalten können.

Was gibt es Neues im Rheinauhafen?
Franz-Xaver Corneth: Seit Ende November 2009 ist unsere Rheinpromenade erstmalig durchgängig befahrbar. Köln ist dadurch die einzige Flussstadt der Welt, die direkt am Strom mit dem Fahrrad durchquert werden kann. Außerdem sind wir fit für Karneval: Sowohl am Bayenturm als auch an der Severinsbrücke haben wir Urilifter installiert, in die Herren ihre Notdurft verrichten können. Der Clou: Diese Urinale sind im Boden versenkt und werden nur bei Bedarf „geliftet“ – also zum Beispiel abends, wenn die Lokale schließen. Oder bei Großveranstaltungen wie dem internationalen Radrenn-Klassiker „Rund um Köln“, der Ostermontag im Hafen endet. Alice Schwarzer war von der Idee der Urilifter übrigens hellauf begeistert!







Was liegt wo im Rheinauhafen?

Der Hafenplan zeigt Ihnen, wo Sie was finden.

Wo und was ist das Nachturinal?

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Köln 30.7.2010